Home

Führungen

 

Bezirke Wiens

Bildergalerie

Brunnen

Denkmäler

Diverses

Ehrengräber

Facebook

Friedhöfe

Gedenktafeln

Kaffeehäuser

Palais

Personenkunde

Ringstraße

Rund um Wien

Sagen, Mythologie

Quiz

Zentralfriedhof

Links

 

Über mich

Gästebuch

Suche

Kontakt,
Impressum

Home | Friedhöfe | Zentralfriedhof | Personenindex | Philippovič (Philippovich)

 

Freiherr Franz Philippovič von Philippsberg
Feldzeugmeister, 1820 - 1903

 

Zentralfriedhof, Gruppe 31 B, Reihe 13, Nr. 21

Franz, der Bruder von Joseph
Grabpflege
Familie Philippovich
Exkurs: Okkupation und Annektion von Bosnien-Herzegowina

 
Inschrift:

Dem Andenken Sr Excellenz
des k.u.k. wirkl. geheimen Rates
Feldzeugmeister
Franz Freiherr Philippovič
von Philippsberg

Großkreuz des Leopold-Ordens
mit der Kriegsdekoration
des Ritterkreuzes,
Ritter des Ordens der eisernen Krone 1. Klasse etc. etc.
gewesener Statthalter von Dalmatien
Inhaber des Peterwardeiner Infanterie Regiments Nr. 70
Ehrenbürger von Agram
und vieler Städte in Kroatien

geboren 12. Oktober 1820 in Gosiic in Kroatien
gestorben 8. Juni 1903 in Wien.

Franz, der Bruder von Joseph

Das Grabmal des Feldzeugmeisters Franz Philippovičvon Philippsberg (1820 - 1903) liegt an prominenter Stelle, direkt neben dem Bildhauer Alfred Hrdlicka (Grab), unweit des Haupteinganges.

Ich schenkte dem Grab nicht sonderlich Bedeutung, bis mir einmal jemand erzählte, dass dies "der" Philippovič sei. Ich fand dann heraus, dass es doch nicht "der" war (Joseph), sondern dessen jüngerer Bruder Franz.

Doch auch der war ein "der". Ein Historiker meinte, es sei sehr ungewöhnlich, dass eine Familie zwei so hochrangige Militärs (FZM) hervorbrachte.

Die Familie stammte aus Kroatien, daher gibt es zwei Schreibweisen des Namens: Philippovič und Philippovich.

Franz, Bruder von Joseph
 

Franz trat als 1836 als Kadett in ein Feldjäger-Bataillon ein. Er hatte einen raschen Aufstieg und brachte es zum Feldzeugmeister. Eingesetzt war er als Festungskommandant in Ragusa und Statthalter in Dalmatien. So wie sein Bruder wurde er vom Kaiser in den erblichen Freiherrenstand erhoben und erhielt viele Auszeichnungen.

Auch von fremden Höfen: Roter Adler Orden 2. Klasse in Brillanten (Preußen), St. Gregororden, Großkreuz (Rom), Orden der Eisernen Krone 1. und 2. Klasse (Österreich), Russland. Zudem erhielt er den Titel eines wirklichen Geheimen Rates mit Nachsicht des Zaren.

mehr zur Familie Philippovich siehe unten

Grabpflege

Die Grabpflege habe ich ehrenamtlich übernommen. Und das kam so: Im Jahr 2011 fand ich den Grabstein umgelegt und den Namen Philippovich in der Liste der aufzulassenden Grabstätten.

Das Grab (kein Ehrengrab!) war zwar auf Friedhofsdauer gemietet worden, nach über hundert Jahren stand der Stein aber nicht mehr sicher auf dem Sockel, weil damals die heute üblichen Verzapfungen noch nicht angebracht wurden. Bald darauf wurde das Wappen gestohlen. Offensichtlich gab es niemanden mehr, der sich für das Grab zuständig fühlte. Den Grabstein hätten sich die städtischen Steinmetzen geholt, die Gebeine wären tiefer gelegt und das Grab wäre neu vermietet worden.

Ich bin kein Militarist, aber ich dachte mir, der nicht unwichtige Bruder des „berühmten“ Philippovich hätte sich vielleicht doch mehr Erinnerung verdient. Ich kontaktierte also das Staatsarchiv, die zuständige Abteilung für die Erhaltung von Soldatengräbern. Man versprach mir, sich mit der Kriegsgräberfürsorge vom „Schwarzen Kreuz“ in Verbindung zu setzen - ich habe von keiner Seite je wieder was gehört.

Schließlich habe ich selbst den Grabstein von einem Steinmetz zu vernünftigen Kosten wieder aufstellen lassen und in der Folge auch die gärnterische Pflege übernommen, die mir viel Spaß und Freude macht. Die Bepflanzung erfolgt nun in der Weise, dass auf einer Seite ein schmaler Weg freibleibt, denn es ist unausweichlich, dass das nebenanliegende Grab von Alfred Hrdlicka aus der Nähe betrachtet werden will.

2016 nahm ein Nachfahre einer Nebenlinie der Familie von Franz von Philippovich zu mir Kontakt auf, bedankte sich für meine Initiative und erklärte sich sofort bereit, mir die angefallenen Kosten zu ersetzen. Herr Philippovich stellte erfreulicherweise in Aussicht, dass eventuell das Wappen ersetzt und die Inschrift erneuert werden wird.

Dankenswerterweise wurde auch mir auch einTeil der Familienchronik zur Verfügung gestellt, womit nun klargestellt werden konnte, dass Eugen nicht der Cousin von Joseph war, wie viele Quellen angeben.

Die Familie Philippovich von Philippsberg

Elias Philippovich von Philippsberg, Großvater des hier Begrabenen, wurde 1781, also noch von Kaiser Josef II., in den
Adelsstand erhoben – nach „dreißigjähriger Dienstzeit mit dem Degen vor dem Feinde“, wie das „Biographische Lexikon
des Kaiserthums Österreich“ vermeldet.

Elias hatte fünf Söhne, allesamt wurden Offiziere, die sich in den Franzosenkriegen verdient gemacht hatten.
Einer fiel in Mainz, zwei andere, Max und Franz setzten die Linie mit Nachkommen fort.

Franz bekam zwei Söhne: den hier Bestattete Franz (1820 - 1903) und dessen Bruder Joseph (1818 - 1889, wiki). Beide wurden Feldzeugmeister. Joseph, später gestorben in Prag, erreichte Berühmtheit, unter seiner militärischen Leitung wurde Bosnien-Herzegowina okkupiert (siehe unten).

Max hatte nur einen Sohn, Nikolaus, der ebenfalls militärisch tätig war (siehe unten), dessen Sohn wiederum war der bekannte Nationalökonom Eugen Philippovich von Philippsberg (1858 - 1917, wiki).
Eugen und seine Nachkommen liegen am Döblinger Friedhof begraben. Eugen war der Neffe 2. Grades zu dem hier Bestatteten Franz.

Eugen: Neffe (2.Gr.), Nationalökonom
 

Auch der Vater von Eugen, Nikolaus von Philippsberg (1795 - 1858), (Cousin von dem hier Bestatteten Franz) hatte die Militärkarriere ergriffen gehabt.

Er wurde, mit konsularischen Aufgaben betraut, in Belgrad stationiert und erhielt bei der Gelegenheit den ottomanischen Verdienstorden und einen türkischen Ehrensäbel.

1843 stieg er zum Oberst auf, 1848 zum Generalmajor und Brigadier und schließlich  wurde er Feldmarschall-Leutnant.

Zurück zum älteren Bruder des hier Begrabenen: Joseph (1818 - 1889) kämpfte für Habsburg erfolgreich in Italien und bei der Niederschlagung der ungarischen Revolution, dafür erhob ihn der Kaiser in den erblichen Freiherrenstand.

Er übernahm 1878 die militärische Leitung für die Okkupation von Bosnien-Herzegowina. (Exkurs siehe unten) Seine Truppen nahmen Sarajevo ein, die Stadt wurde zur Landeshauptstadt erhoben.

 
Bruder Joseph, 1818 - 1889

Exkurs: Okkupation und Annektion von Bosnien-Herzegowina

Hintergrund: Im 19. Jahrhundert kam die Türkei immer mehr unter russische Herrschaft. Den europäischen Teil wollte man Russland allerdings nicht überlassen.

In einer Konferenz in Berlin, unter dem Vorsitz von Reichskanzler Bismarck wurde die Balkan-Frage geregelt: Österreich erhielt 1878 das Recht, Bosnien-Herzegowina militärisch zu besetzen und zu kontrollieren, es wurde okkupiert - unter der Leitung von Joseph.

Für Kaiser Franz Joseph I. war dies die erste Chance auf Landgewinn. De facto war Bosnien nun ein Teil von Österreich-Ungarn, de jure wurde es weiterhin von der Türkei verwaltet: In den Amtstuben hing nach wie vor das Bild des Sultans.

Dreißig Jahre später brachen in der Türkei Unruhen aus. Der österreichische Außenminister Ehrental wurde nervös und meinte zu Kaiser Franz Joseph, dass Österreich das Gebiet nun annektieren müsste, für den Fall, dass die Türkei es eventuell wieder zurückhaben wollte.

Inschrift Bild links, HGM:
Feldzeugmeister Joseph Freiherr Philippovic von Philippsberg
Kommandant der k.k. Okkupationsarmee 1878

Minister Ehrental handelt einen Deal mit Russland aus: "Ihr seid mit der Annektion einverstanden, und wir versprechen euch dafür freie Durchfahrt bei den Meerengen Dardanellen und Bosporus." Doch Österreich konnte sein Versprechen nicht einlösen - die Briten legten sich quer.

Der russische Außenminister, der den Plan mit Ehrental ausgehandelt hatte, verlor sein Gesicht und wurde entlassen. Er durfte nur mehr als russischer Botschafter in Paris seinen Dienst versehen.

Die ganze Geschichte war nicht die beste Propaganda für Österreich. "Solche G'fraster!"

Einige Jahre später bekam der Kaiser die Rechnung präsentiert: Attentat in Sarajewo 1914, Ausbruch des Weltkrieges und nun unterstützen die Russen Serbien und nicht mehr Österreich ....

 
Philippovich-Vitrine im Heeresgeschichtlichen Museum

Quellen:
Wurzbach (Bild 216)
wikipedia: Bosnien-Krise
Familienchronik von Eugen Philippovich von Philippsberg