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Home | Friedhöfe | Zentralfriedhof | Ehrengräber | Gruppe 33 G | Nr. 42, Muliar

Ehrengräber Gruppe 33 G
Zentralfriedhof

Friedrich "Fritz" Muliar
Kammerschauspieler, Regisseur, 1919 - 2009 

Friedrich "Fritz" Muliar
Kammerschauspieler, Regisseur, 1919 - 2009

Zentralfriedhof, Gruppe 33 G, Nr. 42

Lageplan Gruppe 33 G

wikipedia

Einer der prominentesten Wahlniederösterreicher ist der bekannte Volksschauspieler Fritz Muliar, der mehr als 40 Jahre in Groß-Enzersdorf gewohnt hat.

Als uneheliches Kind in Wien geboren, wuchs er als Sohn einer engagierten Sozialdemokratin und eines russisch-jüdischen Stiefvaters, des Juweliers Mischa Muliar, in Wien-Neubau auf. Zu seinem leiblichen Vater, einem Tiroler k.u.k. Offizier und späteren Nationalsozialisten, bestand kein Kontakt. 

Fritz Muliar erhielt seine Schauspielausbildung am Konservatorium der Stadt Wien. Mit 18 Jahren bekam er sein erstes Engagement an Stella Kadmons legendärer Kleinkunstbühne "Der liebe Augustin" (1937) und erlernte sein Handwerk auf zahllosen weiteren Kabarettbühnen.

1938 floh sein jüdischer Stiefvater vor den Nazis in die USA, 1940 wurde Fritz Muliar zur Wehrmacht eingezogen und verhalf in Frankreich Juden zur Flucht. Wegen "Wehrkraftzersetzung"und "Beleidigung des Führers" musste Muliar sieben Monate in Einzelhaft verbringen und wurde zum Tode verurteilt. Nach Umwandlung dieses Urteils in eine fünfjährige Haftstrafe, wurde er als Strafsoldat nach Russland geschickt. Das Kriegsende erlebte er in britischer Kriegsgefangenschaft.

Aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, begann seine Karriere, die ihn an das Volkstheater, 1974 an das Burgtheater und dann an das Theater in der Josefstadt führte. Beide Bühnen machten ihn zum Ehrenmitglied (1995 Burgtheater, 1996 Josefstadt). Muliar war regelmäßig bei den Salzburger Festspielen zu Gast und spielte von 1952 bis 1965 im Wiener Kabarett "Simpl". Er verfasste zahlreiche Bücher und wirkte in mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mit. Besonders populär wurde er mit der Darstellung des braven Soldaten Schwejk in der gleichnamigen Fernsehserie aus dem Jahre 1972.

Fritz Muliar wurde im wahrsten Sinne des Wortes zum Volksschauspieler, der sich als Sachwalter der "kleinen" Leute verstand und auch so verstanden wurde. Er gilt als Widerständiger, der auch die öffentliche Auseinandersetzung nicht scheute, wie mit Burgtheaterdirektor Claus Peymann. Im Alter von 83 nahm er mit den 2002/2003 in den Wiener Kammerspielen aufgeführten Einaktern - Nestroys "Frühere Verhältnisse" und Schnitzlers "Abschiedssouper" aus dem "Anatol" - Abschied von seinem Publikum.

Der Kammerschauspieler und Professor ist Träger zahlreicher Auszeichnungen. 1978 erhielt er die Kainz-Medaille, 1984 den Nestroy-Ring, 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich sowie das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik. 

Durch seine Ansiedlung in Groß-Enzersdorf wurde Fritz Muliar zum Niederösterreicher. Schon in den 1950er Jahren erwarb er eine Parzelle am Donau-Oder-Kanal. Diese zwei länglichen Seen sind die in die Landschaft gegrabene Erinnerung an das einstige Großprojekt, Donau und Oder durch einen Kanal zu verbinden, das nie über das Anfangsstadium hinauskam. Was blieb, wurde zu einem Badeparadies für die Wiener.

Die Grundstücke links und rechts der Badeseen wurden parzelliert, Muliar gehörte zu den ersten 50 Parzelleninhabern. Mit dem Bau einer Badehütte erfüllte er sich den Traum nach einem eigenen Stück Wiese. Um sein nur wenige Quadratmeter großes "Paradies" zu erreichen, fuhr er zunächst mit der Straßenbahnlinie 26, erst später mit dem Auto. Nur einige Parzellen weiter baute Kurt Sowinetz.

In den 1960er Jahren erlebte Groß-Enzersdorf durch die Ansiedlung von Unilever ("Iglo") einen Aufschwung und war an der Ansiedlung Prominenter interessiert. Muliar baute in Groß-Enzersdorf ein Haus, die alte Badehütte behielt er aber weiterhin. Inzwischen wurde er nicht nur Groß-Enzersdorfer Ehrenbürger, sondern mit der Fritz-Muliar-Gasse auch "Teil" des Stadtbildes.

Fritz Muliar war in zweiter Ehe mit der früheren Fernsehsprecherin Franziska Kalmar verheiratet und Vater dreier Söhne, von denen er einen durch Krebs verlor. Der beliebte Schauspieler stand bis zu seinem Tod auf der Bühne. Er starb überraschend im Mai 2009 in Wien, nachdem er wenige Stunden zuvor noch im Theater in der Josefstadt aufgetreten war. 

   

 


Führungen am Zentralfriedhof
Hedwig Abraham